Sonntag, 13. Oktober 2013

Todesmarsch: 4 Stunden unterwegs mit Zeitzeugen


Organisiert von Herr Hans Richter, eherenamtlicher Helfer der KZ-Gedenkstätte Langenstein Zwieberge, Frau Fauser, stellvertr. Leiterin, fand am Samstag der 4. Anlass zum Thema Todesmärsche ab Langenstein April 1945 statt. Diesmal war das Thema Ermsleben-Welbsleben und der Anlass begann in Ermsleben, wo Bürgermeister Klaus Wycisk die Anwesenden begrüsste und auf die Wichtigkeit der Aufarbeitung der damaligen Vorgänge verwies.



Am 9. April, zwei Tage vor Befreiung des Lagers Zwieberge wurden tausende von bereits entkräfteten und kranken Häftlingen auf Todesmärsche geschickt. Alleine dabei verloren über 2500 Menschen ihr Leben. Ein solcher Todesmarsch führte in mehreren Gruppen über Ermsleben, wo  in der Lehmgrube (heutiger Fussballplatz) um die 2000 Menschen Rast machten, gut bewacht von ihren Peinigern. Anschließend bildeten sich scheinbar drei Gruppen, eine zog über Welbsleben-Quenstedt-Wiederstedt, die zweite Gruppe via Konradsburg-in Richtung Harkerode und bezüglich der Route der dritten Gruppe besteht Ungewissheit.

Zeitzeugen konnten berichten, welchem Elend sie begegnet sind, wie sie und ihre Mütter von den Bewachern gehindert wurden, den vorbeiziehenden ausgemergelten Häftlingen etwas zu essen zu geben. Versprengte Häftlinge, welche in Gräben Schutz vor Suchtrupps und deren Bluthunden suchten, Leichen auf offenem Felde, durch Genickschuss getötet und andere irgend in einer Böschung verscharrt. Deckungsgleich wurde erzählt, wie sich das Geklappere, Geschlurfe der Holzschuhe in die Erinnerung aller Zeitzeugen eingebrannt hat. Heinz Borgmann aus Wiederstedt schilderte, was er alles gesehen hat, als ihn sein Arbeitgeber aus Meisdorf nach Hause schickte und er als 14-Jähriger mit einem Kollegen zusammen zu Fuss nach Wiederstedt zurückkehrte.., zwei Tage, nachdem die Flüchtlinge durchgezogen waren. In Wiederstedt muss es mehr als einem Dutzend Häftlingen gelungen sein, zu entkommen, sie wurden versteckt und zwei von ihnen sind im Orte sesshaft geworden.

Ebenfalls übereinstimmend wurde erzählt, wie die Amerikaner aufgegriffene Wehrmachtsangehörige und im Dorfe ansässige Funktionäre dazu zwangen, verscharrte Gefangenen-Leichen teilweise von Hand auszugraben und ordentlich zu bestatten. Dazu gibt es übrigens mehrere eindrückliche Videos auf you-tube. Das bekannteste ist wohl die vierteilige Serie  unter dem Titel Falkenau-The Impossible von Samuel Fuller, "eine Lektion der Menschlichkeit."

Wir wollten doch alle Piloten oder U-Boot-Kapitäne werden.
In Schicks Ecke in Welbsleben stießen dann mit Konrad  Schick und Paul Geppert auch Zeitzeugen aus unserem Dorfe dazu. Nach einer Begrüßung durch Ortsbürgermeisterin Christine Dorge wurde berichtet, wie die Flüchtlinge an der Ecke gerastet hatten, wie Dorfbewohner, welche etwas zu essen bringen wollten, vertrieben wurden. Vor allem aber wurde auch über den Zeitgeist gesprochen. Hier zeigte sich deutlich, dass Propaganda und Erziehung ganz wesentlich dazu beigetragen hatten, dass selbst in der Existenz von "Lagern" nichts Schreckliches gesehen werden konnte, denn nach offizieller Lesart sassen da drin Schwerverbrecher, die hatten nichts Besseres verdient.

Paul Geppert brachte es wohl treffend auf den Punkt, als er sagte, mit Sicherheit seien 80% der Bevölkerung Hitler gegenüber positiv eingestellt gewesen und anfügte: "Auch für uns als Kinder war doch klar, was wir werden wollten. Pilot oder U-Boot Kapitän, sicher nicht Fussballer." 

Nächstes Treffen in Harkerode
Nach dieser Runde an der Wärme ging es wieder raus und zwar zum Friedhof, wo der Besuch des dortigen Mahnmales und Grabes mit  Blumenniederlegung den Abschluss  der Veranstaltung bildete.In der zweiten Novemberhälfte ist ein weiteres Treffen in Harkerode geplant. Der genaue Termin wird hier noch bekannt gegeben.


1 Kommentar:

  1. Es war eine sehr spannende Veranstaltung - die nur zu empfehlen ist.
    Benedikt Simon

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