Sonntag, 23. Dezember 2012

Fest der Liebe, Fest des Schenkens

Das Weihnachtsfest naht mit Riesenschritten und sicher geht es vielen so wie mir: Wir erleben das Fest als einen Spagat zwischen Hektik, lautem, marktschreierischem Kommerz und einer bestimmten Leere, vielleicht auch Freude, was wir dann Besinnung nennen. Während uns das Geschäftliche, die Geschenke, über Tage oder Wochen auf Trab halten, reduziert sich dann der besinnliche Teil auf den Besuch in der Kirche, dem anschließenden Zusammensein in der Familie und wo Kinder sind, angesichts deren Freude beim Auspacken der Geschenke sicher auch auf Erinnerungen aus der eigenen Kinderzeit.

Fest der Liebe und Geschenke, ein Mix, der eigentlich nicht nur auf einen Tag beschränkt sein sollte. Ich möchte einen Brauch aus einer ganz anderen Kultur  kurz erklären:

In einem Bergdorf im türkischen Taurusgebirge - hier Bilder des Dorfes -  ist es üblich, dass die Einwohner während der Erntezeit einen Teil der Nahrungsmittel  zu sammeln oder zu verarbeiten beginnen. Fein säuberlich abgefüllt in kleinen Säcken oder in verschraubbaren Plastikdosen wird das in den Keller gestellt und beschriftet. Denn im Oktober kommen die Camions. Diese werden nun beladen mit all den Köstlichkeiten, welche inzwischen in großen adressierten Säcken verpackt sind und fahren los nach Istanbul, Ankara, Konya, Izmir. Dort werden diese Lebensmittelsäcke an Sammelpunkten an die Empfänger - alles ehemalige Einwohner dieses Dorfes - verteilt. Ja, nichts schmeckt so gut, wie die einheimischen Früchte und das Eingemachte. Das hält  das ganze Jahr über.... Es sind an die 20 große Laster, welche sich so auf den Weg machen.
Die Empfänger kommen aber auch nicht mit leeren Händen: Sie haben ihrerseits Dinge organisiert, welche im heimatlichen Dorfe fehlen und das wird nun aufgeladen. Über Kleider, Wagenladungen Kohle, Spezialgerät usw. findet sich da alles.  So kehren nicht 20 leere, sondern volle Camions zurück und erfreuen die im Dorfe lebenden Freunde und Familienangehörigen. Seit Jahren wird diese Tradition gepflegt und ich muss sagen, das hat mich sehr beeindruckt.

Die Weihnachtspakete 
Den meisten dürfte diese Tradition noch ein Begriff sein. Nach dem Krieg bis in die späten 80-er Jahre kamen Pakete von West nach Ost. Ich erinnere mich, dass sich auch in der Schweiz verschiedene Organisationen für diese Idee stark gemacht hat. In meinem Heimatort war es jedoch so, dass die meisten Weihnachtspakete nach Polen gingen, da bei uns auf Grund des Polenmuseums auf Schloss Rapperswil starke Bindungen in dieses Land bestanden. 
Wenn man von diesen West-Paketen spricht, sollte man die Ost-Pakete nicht vergessen, denn auch diese gab es bereits zur DDR-Zeit. . Was ich erst vor einigen Wochen mitgekriegt habe: Ab 1995 wurden aus dem Großraum Magdeburg, später aber aus ganz Sachsen-Anhalt die Weihnachtspakete wieder  versandt. Jetzt als Dankeschön und Aufmerksamkeit an viele damalige Spender, welche nicht dem Familienkreise angehörten. 

Betrachtet man das türkische und das heimische Beispiel, gibt es trotz unterschiedlicher Kultur keinen Unterschied. Hier und dort ein Leben, in welchem man den Andern respektiert, liebt, achtet, seine Wertschätzung zeigt, dafür auch eine Anstrengung unternimmt. Dies alles aus der Erkenntnis heraus, dass das Leben ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist, eine Grundvoraussetzung jeder funktionierenden Gemeinschaft oder Gesellschaft..  Ist das nicht der Kern des Weihnachtsgedankens? Fest der Liebe? Fest des Schenkens?

Auch welbslebenonline hat ein Geschenk...

Keine Heilig-Abend-Gabe und deswegen öffnen wir es erst

am 25.12.2012, wenn die Kirchturmuhr  9 Uhr schlägt
hier auf dieser Seite.

Allen ein frohes Weihnachtsfest.

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